Bemerkenswert

Im Garten des Malers

Ich bin – mal wieder – auf der Suche nach Lektüre. Vieles kenne ich schon, vieles spricht mich nicht an – wonach ich genau suche, weiß ich selbst nicht. Nach einem guten Buch halt. Und dann entdecke ich es. Unverhofft. Linnéa im Garten des Malers. Noch nie davon gehört. Aber schon mal ein ansprechendes Cover.

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Ich lese den Klappentext.

Linnéa fährt nach Paris! Aber nicht wegen des Eiffelturms. Nein, sie besucht mit ihrem Freund, dem Gärtner Blümle, den Garten des Malers Claude Monet. Dort entstanden die einzigartigen Seerosenbilder, die den impressionistischen Künstler weltberühmt gemacht haben. Linnéa erfährt alles über Monets Leben, über seine Familie und lernt nebenbei ein bisschen von Paris kennen.

Paris – Monet – bin überzeugt. Ich mache etwas, das ich normalerweise nie mache: Ich bestelle ein Buch ohne es zu kennen, ohne es vorher auch nur durchgeblättert zu haben. Volles Risiko.

Da ich über die Firma, in der ich arbeite, einige Prozente bekomme, bestelle ich es in der Arbeit. Meine Arbeitskolleginnen grinsen mich an, als sie es sehen. „Nein, ich bin nicht schwanger. Ich kaufe es für mich“, höre ich mich sagen. Der Kopf meiner Arbeitskollegin neigt sich noch ein bisschen schräger und das Grinsen breitet sich aus. „Wirklich“, insistiere ich – schon leicht genervt. Jetzt bin ich in dem Alter, in dem man sich mit der Bestellung eines Kinderbuches verdächtig macht. Seufz.

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Als das Buch endlich ankommt, kann ich es kaum erwarten, es zu lesen.

Bisher kennt Linnéa Monet nur aus Blümles Buch. Doch das soll sich bald ändern. Blümle schlägt nämlich vor, mit ihr nach Paris zu reisen. Gesagt, getan. In Paris angekommen besichtigen sie zunächst das Musée Marmottan, das die weltweit größte Monetsammlung beherbergt. Dort entdeckt Linnéa unter anderem, dass die Seerosen aus der Nähe „klecksig“ sind.

Wer allerdings glaubt, dass es sich hierbei „nur“ um ein Kinderbuch handelt, der irrt.

Durch Monets Garten in Giverny fließt ein Bächlein namens Ru, ein Seitenarm der Epte. An diesem Bächlein machen Linnéa und Blümle ein Picknick –  natürlich mit Baguette und Käse.

picknick

Wie man Giverny richtig ausspricht, ist übrigens hinten im Buch erklärt. 😉

Es ist ein lehrreiches Buch mit viel Liebe zum Detail. Aber selbst wenn ich nichts „gelernt“ hätte, sondern die Welt einfach „nur“ mal wieder mit Kinderaugen entdeckt hätte, wäre die Lektüre nicht minder wertvoll gewesen.

Soll man einen Ort eigentlich ein zweites Mal besichtigen? (Diese Frage wird mich noch länger beschäftigen. ;)) Ja, „wenn es besonders schön ist“, so Blümle. Also beschließen Linnéa und Blümle, Monets Garten einen zweiten Besuch abzustatten. „Diesmal konnten wir manches in Ruhe betrachten, anstatt rumzurennen und alles auf einmal sehen zu wollen.“ Wie recht Linnéa hat.

Linnéa ist übrigens nicht nur ein schwedischer Vorname, sondern auch der Name einer Pflanze: dem Moosglöckchen. Da ich leider kein Foto von einem Moosglöckchen habe, müsst ihr es googeln … oder hier drücken. 😉

Den Schluss verrate ich natürlich nicht, nur, dass er mich zum Schmunzeln und Nachdenken gebracht hat.

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Eines steht nach der Lektüre fest: Bei meinem nächsten Paris-Trip werde ich auf jeden Fall Monets Garten einen Besuch abstatten.

Am Ende des Buches sind noch einige Kunstmuseen und Sehenswürdigkeiten in Paris aufgelistet. Zudem findet man hier weitere Buchtipps über Monet. Ein tabellarischer Lebenslauf von Monet sowie ein Stammbaum der Familien Monet und Hochedé geben Orientierung.

Dieses Buch ist wirklich von der ersten bis zur letzten Seite jeden Cent wert.

Empfehlenswert für: Kinder, frankophile Menschen, Kunstinteressierte, Junggebliebene, Kunstliebhaber, Eltern, kurz: für das innere Kind in jedem von uns ❤

Fazit: Gemeinsam mit der Illustratorin Lena Anderson ist der schwedischen Autorin Christina Björk ein wunderbares, lehrreiches, unterhaltsames, informatives und äußerst liebevoll gestaltetes Buch für Jung und Alt gelungen. Absolute Leseempfehlung!

Trivia: Gestern habe ich mir – zum ersten Mal – den Film „Midnight in Paris“ von Woody Allen angesehen und ratet mal, was dort am Anfang kurz gezeigt wird? Genau. Der Garten des Malers. ❤

Bemerkenswert

Die Römerstadt Carnuntum

Die Römer waren schon vor gut 2.000 Jahren hier – und jetzt ich auch.

Nur ca. 40 Autominuten von Wien entfernt befindet sich die originalgetreu rekonstruierte Römerstadt Carnuntum. Carnuntum war die Hauptstadt der Provinz Pannonia superior und zählt heute zu den bedeutendsten Ausgrabungsstätten Europas. Vom 1. bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. war die Zivilstadt besiedelt, aber auch heute könnte man problemlos jederzeit wieder einziehen. Und wir würden das sogar auf der Stelle tun. Die Häuser sind nämlich nicht nur mit Fußbodenheizungen (!) ausgestattet, sondern verfügen auch über wunderschöne Innenhöfe. Zudem sind sämtliche technische Einrichtungen in den Gebäuden voll funktionsfähig.

Insgesamt kann man drei Gebäude besichtigen: ein Bürgerhaus (Haus des Lucius), eine prächtige Stadtvilla (villa urbana) inkl. Thermenanlage und das domus quarta.

Übersichtsplan
Übersichtsplan

Leider beschließt meine Kamera an dieser Stelle den Geist aufzugeben und so muss ich diesen Ausflug mit der Handkamera fotografieren.

Das Haus des Lucius

Das Haus des Lucius – benannt nach dem vermutlich ehemaligen Eigentümer Lucius Maticeius Clemens – zeigt den Lebensstandard der Carnuntiner Mittelschicht. Da bei den archäologischen Untersuchungen keinerlei Indizien, die auf ein Handwerk deuten, gefunden wurden, geht man davon aus, dass es sich bei Lucius Maticeius Clemens um einen Stoffhändler gehandelt hat (da organische Materialien, wie etwa Stoffe, die Jahrtausende nicht überdauern).

Innenhof
Innenhof mit Webstuhl

Ursprünglich waren beide Geschoße des Hauses bewohnt. Da jedoch keine Hinweise zur Nutzung und Ausstattung des oberen Geschoßes vorliegen, ist nur das Erdgeschoß zur Gänze rekonstruiert und begehbar.

Das Stadtpalais (villa urbana)

Die villa urbana war ein prächtiges von Säulen gesäumtes Stadtpalais.

Rund 600 m² offenbaren in eindrucksvoller Weise den Lebensstil der Carnuntiner Oberschicht. Im Hauptsaal der villa urbana kann man, zusammen mit der wiederhergestellten steinernen Halbkuppel, die akribisch rekonstruierten Wandmalereien bestaunen.

Die römische Therme

Die Thermalanlage ist mit rund 1.500 m² das größte aller im Stadtviertel rekonstruierten Bauwerke, wobei vor allem die Rekonstruktion des römischen Heizsystems sowie die Versorgung der Becken mit Wasser herausfordernd waren.

Es handelt sich hierbei übrigens um die bisher weltweit einzige römische Therme, die voll funktionsfähig am Originalstandort in antiker Bautechnik errichtet wurde.

Das domus quarta (Haus IV)

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Das domus quarta wurde einst von einem wohlhabenden römischen Bürger bewohnt und beherbergt heute das einzige erhaltene Fußbodenmosaik Carnuntums. Leider habe ich vergessen, davon ein Foto zu machen, aber ihr könnt es hier bestaunen.

Nach der Besichtigung der Römerstadt, für die wir ca. 1,5 Stunden brauchen, beschließen wir, noch das Heidentor zu besichtigen.

Vom Parkplatz aus führt ein ca. 900 Meter langer Weg zum Heidentor. Der Weg ist sehr gut beschildert, man kann sich daher wirklich nicht verlaufen, zumal das Tor schon von Weitem sichtbar ist und sich direkt neben der Straße befindet.

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Das Heidentor ist auch mit dem Auto erreichbar (Parkmöglichkeit vor Ort vorhanden). Da das Wetter heute jedoch traumhaft ist, treten wir den Weg zu Fuß an.

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Das Heidentor war – wie wir vor Ort erfahren – ursprünglich ein Triumphalmonument, das im Auftrag von Kaiser Constantius II in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts n. Chr. außerhalb der Stadt errichtet wurde.

Die Besichtigung des Heidentors ist übrigens unentgeltlich.

Da im Ticketpreis von 11€ nicht nur der Eintritt zur Römerstadt und zum beiliegenden Museum, sondern auch die Besichtigung des Amphitheaters sowie des Museums Carnuntinum in Bad Deutsch-Altenburg inkludiert sind, beschließen wir, die Erkundungstour demnächst fortzusetzen. Das Ticket ist knapp 3 Monate gültig.

Zum Schluss nehme ich im Museumsshop noch zwei Souvenirs (für mich) mit:

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Eine Wachstafel und ein Kinderbuch

Fazit: Ein wirklich lohnenswerter Ausflug für Groß und Klein.

Bemerkenswert

Blogparade: Meine Reiseflops

Zunächst ein herzliches Dankeschön an Carmen von travel.chamy.at für den Aufruf zu dieser tollen Blogparade. Kurz habe ich ja gezögert, weil eine Stimme in mir sagte: Wer will denn so etwas lesen? Damit lassen sich doch keine Klicks erzielen, keine LeserInnen gewinnen. Warum meinen schönen Blog mit Negativem füllen? Warum riskieren, jemandem auf den Schlips zu treten (was übrigens absolut nicht meine Absicht ist)? Doch dann habe ich mir gesagt: Es soll ja nicht um Zahlen und Klicks gehen, sondern darum, auf meinem Blog ehrlich von meinen Reiseeindrücken zu erzählen – und es war nun mal nicht alles immer nur schön. „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“ (Ingeborg Bachmann) Und wer weiß, vielleicht schätzen einige meiner LeserInnen ja genau deshalb meinen Blog.

1. Berlin

Die deutsche Hauptstadt gehört – zusammen mit den noch folgenden Städten – zu meinen größten Reiseenttäuschungen. Okay, es war auch eine Schnapsidee im Winter nach Berlin zu reisen, aber wer konnte denn ahnen, dass es SO ein Winter wird? (Februar 2010: Es ist der kälteste Winter seit Jahren und das Salz zum Streuen geht aus.) Das Pergamonmuseum, die East Side Gallery, der Fernsehturm – all das muss man wirklich nicht gesehen haben. Ich finde Berlin auch weder hipp noch cool (und ja, ich war auch in Kreuzberg). Ich spüre kein „Berliner Flair“. Von jedem, dem ich bisher meine Eindrücke von Berlin geschildert habe, bekomme ich zu hören, ich solle Berlin noch eine zweite Chance geben. Im Frühjahr. Oder im Sommer. Oder im Herbst. Na ja, man soll ja niemals „nie“ sagen.

2. Barcelona

Barcelona ist meines Erachtens die überbewerteste europäische Stadt. Den Hype kann ich ganz und gar nicht nachvollziehen. Die Sagrada Familia ist zwar die berühmteste Baustelle Europas, das macht sie jedoch noch zu keiner Sehenswürdigkeit. Der Park Güell ist zwar ganz nett, aber so heillos überlaufen, dass man gleich wieder fliehen möchte. Ein Tag genügt (mir), um alles zu sehen, was es zu hier zu sehen gibt. Das spricht nicht gerade für eine Stadt, die 1,6 Millionen Einwohner hat. Auch wenn das nie jemand zugibt/sagt: Man hat im Leben wirklich nichts verpasst, wenn man Barcelona nicht gesehen hat.

3. Toulouse

Als ich das erste Mal von der „ville rose“ höre, stelle ich mir eine charmante Stadt mit kleinen süßen rosaroten Backsteinhäusern vor. Ich bin so begeistert von den Beschreibungen, dass ich wie wild beginne zu googeln (die Fotos, die Google ausspuckt, entsprechen übrigens absolut nicht der Realität). Umso größer war dann natürlich die Enttäuschung, als ich der Stadt 2015 einen Besuch abstatte. Das einzig rosarote, das ich hier finden konnte, war dieses Fahrrad (ungelogen das schönste Foto von Toulouse):

rosa Rad

Lustlos schlendere ich durch diese Stadt, die sich mir ohne jeglichen Charme oder besonderen Reiz zeigt. Zu allem Überfluss werde ich ca. 1,5 Stunden (!) auf einer Brücke festgehalten – wegen eines chinesischen Staatsbesuches. Kurz überlege ich sogar, meine Reise hier abzubrechen, aber das Hotel ist schon bezahlt … Ich versuche das Beste aus der verbleibenden Zeit zu machen und treffe einen Toulousain. Ich schildere ihm ehrlich meine Eindrücke und: Er versteht mich. Diese Begegnung war mit Abstand das Schönste, das ich hier erlebt habe. Als ich Toulouse verlasse, hoffe ich inständig, dass Bordeaux schöner ist (Gott sei Dank wurden meine Gebete erhört ;)).

Und nun bin ich gespannt, welche Städte, Orte, Sehenswürdigkeiten etc. euch enttäuscht haben.

 

 

Bemerkenswert

Die Würfel sind gefallen oder: Ein Stück oberösterreichische Geschichte

Eines der Großereignisse des Theatersommers in Österreich: Das Frankenburger Würfelspiel. Noch nie davon gehört? Dann wird es höchste Zeit! Du hast schon davon gehört, es aber noch nie gesehen? Auch dann solltest du diesen Beitrag lesen. 😉

Beim Frankenburger Würfelspiel handelt es sich um ein historisches Volksschauspiel, das ein trauriges Kapitel oberösterreichischer Geschichte zum Inhalt hat: Als im Mai 1625 – mitten im Dreißigjährigen Krieg – in Frankenburg ein römisch-katholischer Geistlicher eingesetzt werden soll, kommt es zum bewaffneten Aufstand der seit vielen Jahren evangelischen Bevölkerung. Die Rebellion wird jedoch nach drei Tagen wieder aufgegeben, da der bayerische Statthalter, Adam Graf von Herberstorff, Amnestie verspricht. Als sich die um Gnade Ersuchenden allerdings am Haushamerfeld einfinden, bricht der Statthalter plötzlich sein Versprechen und lässt 36 angebliche Rädelsführer paarweise um ihr Leben würfeln. Diese willkürliche Machtdemonstration, die den Schluss des Schauspiels bildet, war Auftakt zu den oberösterreichischen Bauernkriegen.

Durch die Aufführung führt ein Erzähler, dessen Dialekt und tiefe Stimmlage das Geschehen eindrücklich begleiten und untermauern.

Das Schauspiel findet alle zwei Jahre (immer in ungeraden Jahren) in Frankenburg am Hausruck (Oberösterreich) auf einer der (angeblich) größten Naturbühnen Europas statt. In der Mitte steht ein alter Lindenbaum, der eine grandiose Kulisse bietet.

 

Das Stück zeigt anschaulich, wohin Fanatismus und Intoleranz führen können und hat bis heute nichts an Aktualität eingebüßt.

Bei den rund 500 DarstellerInnen sowie 300 StatistInnen handelt es sich übrigens gänzlich um LaienschauspielerInnen (fast ausschließlich Männer) sowie ehrenamtliche HelferInnen. Als „Entlohnung“ erhalten sie lediglich je einen 25-Euro-Essensgutschein.

Das Stück wird seit 1925 zweijährlich nach dem Roman „Der Bauerntod“ von Karl Itzinger aufgeführt. Viele Familien der Region sowie ganze Generationen sind mit dem Frankenburger Würfelspiel fest verbunden, vor allem aber die Frankenburger selbst. Über die Jahre waren mindestens 5.000 Personen am Stück beteiligt. Wenn man bedenkt, dass ganz Frankenburg 5.000 Einwohner hat, ist dies eine beachtliche Leistung.

Hier ist Tradition nicht das Anbeten von Asche, sondern das Weitergeben des Feuers“ – treffender (als Gustav Mahler) könnte ich es nicht ausdrücken.

Nun genug der Worte, lassen wir ein paar Bilder sprechen:

 

Und zum Schluss ein paar praktische Hinweise und Infos:

Die Aufführungen beginnen jeweils um 20:30 Uhr und dauern rund 105 Minuten. Wir treffen ca. 1,5 Stunden vor Spielbeginn ein, was perfekt passt. Im Ortszentrum stehen kostenlose Parkplätze zur Verfügung. Mitarbeiter der Freiwilligen Feuerwehr lotsen uns zu einem freien Parkplatz. Von dort führt ein kurzer, markierter Weg (ca. 900 m) zur Natur-Freilichtbühne. Gemeinsam mit vielen anderen pilgern wir dorthin. Der letzte Abschnitt ist mit Holzspäne gesät.

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Festes Schuhwerk wird (laut Homepage) empfohlen. Wir haben allesamt geschlossene Sneaker an.

Der in Form eines Amphitheaters angelegte Zuschauerraum bietet für ca. 3.000 BesucherInnen Platz. An diesem Abend ist die Vorstellung ausverkauft.

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Der Zuschauerraum füllt sich langsam

Es herrscht freie Platzwahl. Soweit beurteilbar, sieht man von jedem Platz aus ungefähr gleich gut (je nachdem, wie groß man ist und wen man vor sich hat ;)).

Da das Sitzen auf den harten Bänken etwas unangenehm werden könnte, haben wir vorsichtshalber eine Decke zum Unterlegen mitgebracht. Auch warme Kleidung wird auf der Homepage des Würfelspiels empfohlen. Da wir jedoch einen der heißesten Tage des Jahres erwischen, benötigen wir die mitgebrachten Jacken und Pullover nicht.

Am Würfelspielgelände gibt es Sanitäranlagen, die selbst nach der Aufführung noch betretbar sind. 😉

Anfahrt: Für Nicht-Ortskundige empfiehlt sich ein Navigationsgerät, da Frankenburg erst  12 Kilometer vorher angeschrieben ist (und das Würfelspiel selbst erst in Frankenburg).

Ticketpreis: 17 € pro Person (für Erwachsene)

BesucherInnen, die nicht dialektkundig sind, können angeblich auf ein ausführliches Programmheft zurückgreifen (ich habe das jedoch nicht überprüft).

Fazit: Ein einprägsames und beeindruckendes Naturschauspiel, das man gesehen haben sollte. Für (Ober-)ÖsterreicherInnen Pflicht, für Dialektkundige empfehlenswert, für Kinder ab ca. 8 Jahren geeignet und für alle ein unvergessliches Erlebnis.

Bemerkenswert

Blogparade: Meine Urlaubslektüre 2017

Eine Blogparade zum Thema Urlaubslektüre? Da bin als Germanistin und Leseratte natürlich sofort dabei. Gleich an dieser Stelle ein Riesendankeschön an Die bunte Christine für den Aufruf zu dieser tollen Blogparade! Man merkt, ich bin entzückt. Okay, es ist meine erste Blogparade. Los geht’s.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit …

Da es heuer nach Korsika geht, darf der Korsika-Reiseführer von Baedeker keinesfalls fehlen. Aber auch sonst reist der Baedeker – mein absoluter Lieblingsreiseführer – immer mit. Überzeugende Qualität, tolle Aufmachung, informativ, Baedeker. (Leider verdiene ich an der ganzen Werbung, die ich für Baedeker mache, absolut nichts.)

L'amourDa ich Frankreich und Französisch liebe und noch dazu heuer nach Korsika reise, ist ein französisches Buch Pflicht. Da ich mich allerdings auch gut kenne und am Strand nichts Anspruchsvolles lesen werde (zu heiß, zu ölig, zu fettig, zu schweißig, zu windig), liebäugle ich zwar kurz mit Molière, entscheide mich dann aber für eine einfache Französischlektüre (inkl. deutscher Übersetzung): L’Amour? Parlons-en … Moderne französische Liebesgeschichten 

Leider fand ich dieses Buch sehr enttäuschend. Die Geschichten waren seicht, die Sprache nicht sonderlich poetisch. Nach der dritten Geschichte lege ich das Buch weg. Na ja, immerhin ein paar neue Wörter habe ich gelernt.

Gut, dass ich Vom ABC zum Sprachkunstwerk. Eine deutsche Sprachlehre für Erwachsene von Wilhelm E. Süskind eingepackt habe. Ein Standardwerk, das schon ewig in meinem Regal steht und dem ich bisher keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte (warum, weiß ich selber nicht). Jedenfalls komme ich hier vollends auf meine (germanistischen) Kosten.

SüskindSüskind (nicht zu verwechseln mit Süßkind ;)) führt gekonnt durch den Dschungel der deutschen Sprache, gibt Schreibtipps für den Einstieg in eine Erzählung, fördert das Sprachgefühl und vieles mehr. Absolut lesenswert!

Weil ich ambitioniert bin, kommen des Weiteren noch Mittelmeergeschichten, das Faulenzer-Lesebuch und Darm mit Charme ins Gepäck. Mein Mann lacht, weil er weiß, dass ich die nie alle im Urlaub lesen werde. Egal. Sie kommen dennoch mit.

Und bleiben ungelesen.

Ich lese zwar ausgesprochen gerne, aber im Urlaub (also unterwegs/auf Reisen) eher wenig. Tagsüber bin ich meist unterwegs, am Strand lese ich nur ungern und abends bin ich dann entweder (zu) müde oder ziehe einen Abendspaziergang vor und lasse den Tag Revue passieren.

Mein Lieblingsleseplatz

Am liebsten verbringe ich verschneite Tage im Winter mit einem guten Buch in meiner Leseecke.

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Ich besitze übrigens bis heute keinen E-Book-Reader. Alle paar Monate spiele ich mit dem Gedanken, mir einen zuzulegen, wäge die Pros und Kontras ab, um dann jedes Mal zu demselben Entschluss zu kommen: Ich liebe das gedruckte Wort und möchte alle (guten) Bücher besitzen – und zwar physisch. Wobei ich natürlich die Vorteile eines Kindle keinesfalls leugnen möchte (Auswahl, leichter, günstiger), aber nichts ist schöner, als ein neues Buch in mein Regal einzuschlichten und jeden Tag stolz meine Babys betrachten zu können.

Mein Bücherregal

Und zum Schluss noch meine persönlichen Buchtipps:

  • Brasilien von Stefan Zweig
  • Die Möwe Jonathan von Richard Bach
  • Der alte Mann und das Meer von Ernest Hemingway
  • Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück von François Lelord
  • Baedeker Reiseführer (Land, Stand, Ort ergänzen ;))

Welche Bücher liest du im Urlaub? Ich freue mich auf eure Lektüretipps!

Bemerkenswert

Der Schatten Korsikas

Ein Gastbeitrag von Paul

Korsika ist ein einziges großes Postkartenmotiv im Maßstab 1:1 und noch dazu in 3D. Besser geht es nicht. Dementsprechend sehen auch die Fotos aus, die der Korsika-Tourist gerne mit nach Hause bringt und seinen Freunden und Bekannten – gefragt oder ungefragt – gerne unter die Nase hält (auch noch Wochen und vielleicht sogar Jahre nach dem Urlaub). Aber wie sagt schon ein altes Sprichwort: Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Das gilt auch für Korsika. Und hier heißt der Schatten Bastia.

Zuallererst muss man zur Verteidigung von Bastia das Offensichtliche festhalten: Bastia ist eine Hafenstadt. Hier legen täglich viele Fähren an, die Touristen und Einheimische mit dem Festland verbinden. Bastia hat also einen – zugegebenermaßen nicht unwesentlichen und volkswirtschaftlich vermutlich für Korsika sogar äußerst bedeutsamen – Zweck. Ist es aber schön? Sollte man hier vielleicht verweilen und eine Besichtigungstour machen, ja vielleicht sogar einen (Halb-)Tag der wertvollen Urlaubzeit verbringen? Die Antwort ist ganz klar: Nein.

Bastia bietet weder schöne Strände noch mondäne Flaniermeilen oder Ähnliches. Es ist auch weit davon entfernt, dem Bild des kleinen korsischen malerischen Fischerdörfchens zu entsprechen. Das findet man übrigens nur einige Kilometer weiter zum Beispiel in Erbalunga. Aber wieder zurück zu Bastia. Was wir hier an diesem Freitagnachmittag vorfinden: Leere Straßen und ziellos herumstreunende, etwas verloren wirkende Touristen unterschiedlichster Nationalitäten, die allesamt versuchen, die Zeit totzuschlagen, bis ihre Fähren (endlich) einlaufen. Sie bevölkern die schütter besuchten Cafés und Bistros in Hafennähe. Aus ihren Blicken ist klar zu erkennen, dass die Tristesse der Stadt schon auf sie abfärbt. Vielleicht hat der eine oder andere (so wie wir auch) am Anfang noch versucht, sich die Situation schönzureden und der Sache etwas Gutes abzugewinnen. Man könnte die Wartezeit doch gut für eine spontane Stadtbesichtigung nutzen! Vielleicht etwas entdecken, was man noch nicht kennt. Doch nach einer (kurzen) Wanderung durch die sogenannte „Altstadt“ folgt die Desillusionierung und es wird schnell klar: Hier gibt es nichts, was man nicht auch woanders schon tausendfach gesehen hat. Endlose Straßenzüge mäßig schöner Häuser, dafür zahlreiche Souvenirläden (aka Touristenfallen), ein Hauptplatz und eine Kirche. Toll. Was am Ende bleibt, ist die Wartezeit auf die rettende Fähre, und die zahlreichen Cafés und Bistros in Hafennähe (die von den wartenden Touristen nur zu gerne profitieren). Dort sitzt man nun und wartet. Kollektiv. Auf die Fähre, die noch so weit weg ist. Wenn es das Wort „phlegmatisch“ nicht schon gäbe, für Bastia und seine bleierne Schwere hätte es erfunden werden müssen. Ob dieses Adjektiv auf eine Sache (hier: Stadt) angewendet werden kann, mögen die Germanisten entscheiden. Ich kann nur sagen: Wer Bastia, so wie ich, gesehen hat, der weiß, was ich meine.

Bekanntlich hat alles ein Ende (und nur die Wurst …). Im Fall von Bastia bedeutet „Ende“ das Eintreffen der Fähre. Unserer Fähre. Und gleichzeitig wird uns bewusst, dass das der Anfang vom Rest unserer Heimreise ist. Uns wird klar: Wir verlassen diese wunderschöne Insel. Vielleicht kommen wir mal wieder, wer weiß?

Am Fährterminal blicken wir auf die elektronische Anzeigetafel, um zu erfahren, welchen Fährterminal wir anfahren müssen, damit wir auch auf die richtige Fähre kommen. Am Informationsschalter hatte man uns kurz zuvor noch den falschen Fährterminal genannt. Aber egal. Am Ende schaffen wir es auf die richtige Fähre. Das alleine zählt. Nur nicht in Bastia stranden!

Während wir aus dem Hafen auslaufen, geht gerade die Sonne unter. In Bastia werden langsam die Lichter eingeschaltet und die Stadt wird immer kleiner. Während ich so an der Heckreling stehe und unter mir das Brausen des vom Schiffsantrieb aufgeschäumten Mehrwassers höre, erwische ich mich bei dem Gedanken, dass Bastia vielleicht gar nicht so schlimm ist (für eine klassische Hafenstadt). Hat Bastia aus dieser (zunehmenden) Entfernung betrachtet vielleicht sogar etwas Schönes? Ich erschrecke einen Moment über diese irgendwie obszönen Gedanken. Dann wende ich mich meiner Frau zu, die neben mir an der Rehling steht. Ich nehme sie in den Arm und gemeinsam erinnern wir uns an die beiden letzten wunderschönen Wochen auf Korsika, von dem wir jetzt Abschied nehmen müssen.

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Fazit: Man muss Bastia als das sehen, was es ist: ein Fährhafen, ein notwendiger Zwischenstopp auf dem Weg zum Urlaubsziel auf Korsika bzw. auf dem Weg der Heimreise. Als touristisches Ausflugsziel taugt es meines Erachtens nicht.

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Lyon – Bücher an Wänden und ein rosa Turm zum Verlieben

Schweißgebadet komme ich im Hotel an. Es war ja nicht so, dass es keine Vorzeichen gab … aber ich habe sie gekonnt ignoriert. Wenn ich so nachdenke, dann hat alles bereits in Montpellier, also drei Städte vorher, begonnen. Von Toulouse, der hässlichsten Stadt, wollte ich allerdings absolut kein Souvenir mitnehmen. Und in Bordeaux war alles viel zu teuer. In Lyon wollte ich dann in Ruhe einen neuen kaufen … Wer konnte denn ahnen, dass er nicht mehr so lange mitmacht? Wie alt ist er eigentlich? Na ja, so kam es jedenfalls, dass ich am Flughafen von Lyon, der übrigens Saint-Exupery heißt (❤), woran ich mich allerdings erst im Nachhinein erfreuen konnte, mit einem kaputten Koffer stand. Der Griff ließ sich nicht mehr ausfahren. Kein Ziehen, kein Zerren, kein Stoßen, kein Schubsen – absolut nichts half. Nichts lockerte den Griff. Verzweifelt stand ich da, wurde von Soldaten ausgelacht und wünschte, ich hätte in Bordeaux einen überteuerten neuen Koffer gekauft. Ich hatte nun die Wahl, meinen Koffer bis zum Hotel zu schubsen oder zu tragen. Konnte mich nicht entscheiden, was (un)komfortabler ist. Im Endeffekt entschied ich mich für eine Mischung aus beidem. Insgesamt dauerte die Reise vom Flughafen bis zum Hotel, statt der angegebenen einen, jedenfalls ca. 3 Stunden (für ein Taxi war ich viel zu gierig). Zu allem Überfluss bin ich am Weg doch tatsächlich von Leuten angesprochen worden, wieso ich denn meinen Koffer trage und nicht den dafür vorhandenen Griff zum Ziehen verwende. Ha ha ha. Ich hätte heute gerne ein Bild von meinem damaligen Gesichtausdruck. Als ich ihnen dann – höflich, aber bestimmt – erklärte, dass mein Koffer kaputt sei, hatten sie jedoch alle sehr viel Mitleid mit mir.

Memo an mich selbst: Wenn dein Koffer kaputt ist, dann nimmst du verdammt noch mal ein Taxi. (Na ja, was soll ich heute zu meiner Verteidigung sagen? Ich war Studentin … und brauchte das Geld … für einen neuen Koffer.)

Als ich dann endlich in meinem „Hotel“, das nicht einmal eine Rezeption geschweige denn einen Stadtplan für mich hatte, angekommen bin, war ich fertig mit Lyon.

Meine Unterkunft lag ein bisschen außerhalb des Zentrums, mein Zimmer war sehr ähnlich zu dem in Bordeaux, geräumig und sauber, nur ohne Klimaanlage. Diese hätte ich aber vor allem an diesem Tag unbedingt gebraucht (es hatte 38°C). Unpackbar! 🔫

Der erste Tag ging dann für die Koffersuche drauf. Aber immerhin bin ich am Ende des Tages fündig geworden. Ich meine, natürlich kann er’s nicht mit meinem alten Koffer aufnehmen, aber es war der Beste, den ich hier finden konnte (wirklich!).

Okay, ich baue Fotos ein.

Meine Stimmung war aber nach wie vor nur so mittelmäßig. Aber ich beschloss, der Stadt noch eine Chance zu geben, denn wenn wir ehrlich sind: sie konnte ja nichts dafür.

Drei Tage später sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.

Lyon hat unglaublich viel zu bieten: wunderschöne Architektur, viele Brunnen, eine wunderschöne Altstadt, viele Parks, zwei Flüsse (ich liebe Städte, die an Flüssen liegen), viele Brücken, viel Kultur … Viele Museen hier sind für unter 26-Jährige gratis (damals fiel ich, sehr zu meiner Freude, gerade noch in diese Kategorie). Ich war beispielsweise (gratis) im Centre d’Histoire de la Résistance et de la Déportation. Das war wirklich interessant. Ich hatte zuvor noch nie etwas von Klaus Barbie, dem französischen Pendant zu Adolf Eichmann, gehört und auch sonst war dieses Museum sehr informativ. Absolut einen Besuch wert!

Centre d'histoire de la résistance et de la déportation
Centre d’Histoire de la Résistance et de la Déportation

Saint-Exupéry begegnet mir übrigens ein zweites Mal: Am Place Bellecour steht eine Statue von Antoine de Saint Exupéry und dem kleinen Prinzen.

La Statue d'Antoine de Saint Exupéry et le Petit Prince
La Statue d’Antoine de Saint Exupéry et le Petit Prince

Wie bereits erwähnt, mag ich Städte, die an Flüssen bzw. Gewässer liegen. Ich lasse an dieser Stelle Bilder sprechen:

 

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Sehr faszinierend fand ich auch die Wandfresken. Lyon ist neben Berlin die Hauptstadt der Wandmalereien und gehört weltweit zu den bedeutendsten Städten für diese Kunstform. Etwa 100 Fresken kann man hier bestaunen. Man schafft aber in 3 Tagen natürlich nicht alle, aber hier eine kleine Auswahl:

 

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Natürlich musste ich auch hier zur Wallfahrtskirche, Notre-Dame de Fourvière, auf dem Fourvière-Hügel pilgern.

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La Basilique Fourvière

Der anstrengende Aufstieg hat sich jedoch gelohnt. Ich werde mit einer wunderbaren Aussicht belohnt.

 

Wieder unten angekommen, schlendere ich noch durch die Altstadt von Lyon (Vieux Lyon). Hier hat besonders ein rosa Turm mein Herz erobert.

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La Tour rose

Aber auch sonst hat Vieux Lyon (architektonisch) einiges zu bieten:

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La Cathédrale Saint-Jean-Baptiste

 

Da es, wie gesagt, hier sehr heiß war, hat mich die Frage, wo die Lyoner eigentlich baden gehen, sehr beschäftigt (in den Flüssen sah ich nämlich, anders als in Wien, niemanden baden). Ich spielte immerhin auch mit dem Gedanken, mich abzukühlen. Also fragte ich einen gebürtigen Lyonnais. Dieser schaute mich allerdings nur erstaunt an und meinte, sie würden gar nicht baden gehen/fahren. Ich schaute stutzig. Er versicherte mir jedoch, dass es sein voller Ernst sei. Für mich war es unvorstellbar. Wobei ich mich noch heute frage, ob er mich nicht doch auf den Arm genommen hat bzw. ob nur er nicht baden geht.

Ein Wohnhaus als Sehenswürdigkeit? Ja, auch das gibt es in Lyon. Aber überzeuge dich selbst:

La Maison aux 365 fenêtres
La Maison aux 365 fenêtres

Dieses Haus besitzt sage und schreibe 365 Fenster.

Und last, but not least: die römischen Amphitheater, die hoch oben in den Berg Fourvière gebaut sind. Im Sommer finden hier Konzerte und Theateraufführungen statt, wie z.B. das Festival „Nuits de Fourvière“, für das sie, glaube ich, hier gerade aufbauen.

 

Die Amphitheater sind gut zu Fuß von der Basilika Notre-Dame de Fourvière erreichbar.

Fazit: 3 Tage in Lyon reichen zwar aus, aber auch hier hält man es – vorausgesetzt, es ist nicht zu heiß –  durchaus länger aus. Und jetzt, wo ich meine Reise so Revue passieren lasse: Ich muss unbedingt wieder mal nach Lyon! ❤

 

 

 

Bemerkenswert

Wie ich trotz Absturzangst die Welt bereise

Ich habe Flugangst, also genau genommen Absturzangst. Flugangst ist der falsche Begriff. Ich habe schließlich nicht Angst vorm Fliegen, nicht Angst davor, über den Wolken zu schweben, sondern davor, am Boden zu zerschellen.

Wie ich trotz meiner Absturzangst rund 60 Flüge überstanden habe, verrate ich dir im folgenden Beitrag.

Eines noch vorweg: Ich habe meine Absturzangst – leider – immer noch nicht so weit im Griff, dass ich mich über Langstreckenflüge drübertrauen würde, aber ich blicke bereits auf viele kleine Fortschritte zurück. Hier daher meine Erfahrungen und Tipps:

1. Lass die Vorfreude überwiegen.

Beim Buchen und auch vor der Abreise versuche ich, mich nur auf den Urlaub/Zielort und nicht auf die An- und Abreise zu konzentrieren, sodass ich unbekümmert meiner Vorfreude frönen kann. Meistens gelingt es mir fast hundertprozentig und somit setzt meine Panik erst am Flughafen, mittlerweile manchmal sogar erst beim Starten, ein – und nicht bereits Wochen vor dem Abflug.

2. Lass die Abenteuerlust größer als die Angst sein.

Wer die Welt bereisen will, kommt ums Flugzeug nicht herum. Nicht nur hier gilt: Lass dich von deinen Ängsten nicht zu sehr einschränken, sondern versuche sie so gut es geht zu überwinden.

3. Die Wahrscheinlichkeit, abzustürzen, ist immer gleich hoch.

Wenn ich früher mehr als ein Mal im Jahr geflogen bin, war ich sehr beunruhigt, da ich glaubte, dass mit der steigenden Anzahl an Flügen pro Jahr auch die Wahrscheinlichkeit zu sterben (also abzustürzen) steige. Ich saß allerdings einem Denkfehler auf. Die Wahrscheinlich, abzustürzen, ist immer gleich groß, egal wie oft du pro Jahr fliegst. Die Wahrscheinlichkeit, mit einem Flugzeug abzustürzen, liegt übrigens bei ca. 0,00000007 Prozent. Also wirklich sehr gering. (Im Vergleich dazu: Die Wahrscheinlichkeit, im Laufe seines Lebens an Krebs zu erkranken, beträgt ca. 43 Prozent für Frauen und 51 Prozent für Männer).

4. In Begleitung fliegen

Am schlimmsten ist meine Flugangst, wenn ich „alleine“ fliege (also ohne Familie, Freunde, Partner etc.). Die Vorstellung, „alleine“ zu sterben, ist die schlimmste. Sobald neben mir meine Mama, mein Mann oder eine Freundin sitzt, ertrage ich den Flug leichter. Ich finde den Gedanken, im Fall des Falles gemeinsam zu sterben, tröstend.

5. Das Flugzeug ist das sicherste Verkehrsmittel.

Leider hilft mir der Satz „Das Flugzeug ist das sicherste Verkehrsmittel“ genau gar nichts. Ich sage ihn mir zwar dennoch immer wieder vor, aber er entfaltet einfach keinerlei Wirkung. Fakt ist, dass ich mich im Auto viel sicherer fühle. Ich weiß, dass das paradox ist, aber es ist eben so.

6. Ablenkung hilft! Mir nicht.

Ablenkung hilft bestimmt, allerdings gelingt sie mir leider nur schwer. Meist kann ich mich einfach nicht auf meine Lektüre oder irgendetwas anderes konzentrieren (von abschalten oder gar schlafen ganz zu schweigen). Meine Gedanken kreisen immerzu um einen etwaigen Absturz. Leider fühle ich auch jede noch so kleine Erschütterung, die ich natürlich sofort mit einem Absturz assoziiere.

Falls also jemand Ablenkungstipps für mich hat, würde ich mich besonders freuen. 🙂

7. Turbulenzen sind harmlos – oder?

Bei schweren Turbulenzen (bisher ein Mal erlebt) läuft vor meinem inneren Auge ein Horrorfilm ab. Jede Turbulenz assoziiere ich unweigerlich sofort mit einem Absturz. Seitdem mir eine Freundin, die Stewardess ist (dafür bewundere ich sie sehr!), gesagt hat, dass man bei Turbulenzen keine Angst zu haben braucht und dass ein Flugzeug viel mehr aushält, denke ich immer daran. Manchmal hilft es … ein bisschen zumindest. Schlechte Nachrichten wie diese hier vom Absturz in Myanmar machen allerdings meine Mantrenerfolge wieder zunichte.

8. Vorne sitzen

Beim Check-in achte ich immer darauf, mir einen Sitzplatz in den vorderen Reihen zu sichern, da es dort ruhiger ist als hinten. (Bei einem Absturz ist allerdings die Überlebenschance im hinteren Teil größer.) Am liebsten sitze ich am Fenster. 🙂 Bei der Sitzplatznummer bin ich nicht abergläubisch, wenngleich ich noch nie auf Platz 13 gesessen bin (aber viele Flugzeuge bieten diesen Platz ja auch gar nicht an).

9. Alkohol nein, Baldrian ja

Ein Gläschen zur Beruhigung? Ich habe es, ehrlich gesagt, noch nie probiert, halte es aber für wenig sinnvoll. Anstatt sich der Angst zu stellen und sie so zu reduzieren, würde man sich nur benebeln. Und zumindest für Vielflieger wäre der Alkoholkonsum dann wohl auch bedenklich. Des Weiteren kann illuminierten Personen der Zutritt an Bord versagt werden. Homöopathische oder pflanzliche Mittel wie Baldrian hingegen kann ich zur Nervenberuhigung empfehlen.  

und zum Abschluss meine drei Mantren, die mich auf jedem Flug begleiten:

  1. Sollte ich jetzt abstürzen, kann ich rein gar nichts dagegen tun. Es ist daher nicht sinnvoll, sich Sorgen darüber zu machen.
  2. Es gibt Menschen, die fliegen mehrmals im Monat und leben noch.
  3. Je nachdem, ob ich alleine (in meiner Definition siehe oben) fliege oder in Begleitung: Immerhin sterbe ich nicht alleine.

Du leidest auch unter Flugangst? Was hilft dir, diese zu überwinden? Natürlich sind auch andere Kommentare willkommen. Ich freue mich über jede Nachricht! 

Bemerkenswert

Alleine reisen: Tipps für Einsteiger

Du stehst kurz vor deiner ersten Reise ohne Begleitung oder überlegst schon länger, ob du diesen Schritt wagen sollst? Dann habe ich folgende Tipps für dich:

 

  1. Suche dir ein geeignetes Reiseziel.

 

Klingt simpel, ist aber extrem wichtig. Suche dir einen Ort, an dem du dir vorstellen kannst, dass du dich (auch alleine) wohlfühlst. Vielleicht gibt es ja einen Ort, an den du immer schon mal reisen wolltest, aber bisher keine Reisebegleitung gefunden hast?

Bei mir war das der Fall. Ich wusste, dass niemand meiner FreundInnen mit mir 3 Wochen durch Frankreich reisen würde. Da ich das aber unbedingt machen wollte, blieb mir nichts Anderes übrig, als alleine auf Reisen zu gehen (und das mit Flugangst! Aber davon ein anderes Mal mehr ;)).

Die 5 beliebtesten Reiseziele für Alleinreisende sind übrigens (laut einer Umfrage von 2016) Stockholm, Amsterdam, Zürich, Valencia und London.

 

  1. Wähle ein Land, in dem du dich verständigen kannst.

 

Nichts gibt mehr Sicherheit, als sich am Zielort verständigen zu können. Wähle daher ein Land, dessen Landessprache du sprichst. In meinem Fall war es Frankreich. Die Gewissheit, dass ich mich jederzeit vor Ort werde verständigen können, hat mich bereits vorab sehr beruhigt.

 

  1. Plane deine Reise.

 

Ich meine damit nicht, dass du die gesamte Reise bis ins kleinste Detail planen musst (wenn es dir allerdings Sicherheit gibt, kannst du natürlich auch das tun ;)), aber es ist zum Beispiel hilfreich, zumindest die ersten paar Tage zu planen. Wenn du dich dann ans Alleinreisen gewöhnt und mehr Sicherheit gewonnen hast, kannst du ja spontaner werden.

 

  1. Nutze soziale (Reise-)Netzwerke.

 

Ich habe mich bereits einige Zeit vor meiner Abreise auf Couchsurfing angemeldet und dort meine Reiseroute bekanntgegeben. So hatte ich bereits vorab Kontakt mit Einheimischen sowie zahlreiche Angebote (für Übernachtungsmöglichkeiten, Treffen, Events etc.). Mir hat es sehr geholfen, zu wissen, dass ich mich quasi jederzeit mit jemandem treffen könnte. Das nimmt die Angst vor dem Alleinsein (das ich übrigens dann sehr genossen habe ;)).

In vielen Städten finden zudem auch Treffen von Reisenden statt, die sich, beispielsweise via Facebook, zusammenschließen und Unternehmungen planen.

 

  1. Sei realistisch.

 

Keine Reise ist perfekt (Perfektion ist eine Illusion ;)). Erwarte nicht, dass alles super wird. Natürlich wird es auch Rückschläge, negative Erfahrungen geben. Das gehört dazu. Aber letztendlich gehen wir aus jeder Situation, die wir meistern, gestärkt hervor. Ich bin daher auch dankbar für die (übrigens sehr wenigen) negativen Erfahrungen, die ich als Alleinreisende gemacht habe. Ich habe alle Herausforderungen gemeistert und darauf bin ich stolz.

 

Fazit:

Für mich war meine erste Reise alleine (und auch die darauffolgenden) eine wunderbare Erfahrung, die ich niemals missen möchte und ich kann wirklich nur jedem empfehlen, zumindest ein Mal im Leben alleine zu reisen. Sollte man dann herausfinden, dass es wirklich nichts für einen ist, muss man die Erfahrung ja nicht wiederholen. 😉

Für mich ist Alleinreisen unglaublich bereichernd und mit jeder Reise, die ich alleine mache, erlange ich mehr Selbstvertrauen und wachse über mich hinaus (wobei ich gestehen muss, dass ich bisher im “sicheren“ Europa geblieben bin).

 

Du möchtest mir etwas mitteilen oder hast Fragen? Dann nutze doch einfach die Kommentarfunktion! Ich freue mich auf deine Nachricht!

Bemerkenswert

Das Fischerdörfchen Erbalunga

Um uns die Zeit bis zur Fährenabfahrt zu vertreiben, fahren wir von Bastia aus Richtung Cap Corse. Der erste Genuesenturm, an dem wir vorbeikommen, ist der Tour de Mimio. Wir entscheiden uns allerdings, noch etwas weiter nördlich bis zum Tour d’Erbalunga (korsisch: Torre d’Erbalunga) zu fahren (wie sich herausstellt eine sehr gute Entscheidung).

Erbalunga ist ein kleines Fischerdörfchen, das ca. 15 Minuten von Bastia entfernt ist. Wir parken, wie gewohnt, am Straßenrand (etwas nördlich der Stadt). Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf das Städtchen.

Erbalunga
Blick auf das Fischerdörfchen Erbalunga

Wie ersichtlich, stehen die Häuser dicht aneinandergereiht auf einer felsigen Landzunge. An der Spitze befindet sich ein Genuesenturm.

Torre d'Erbalunga
Tour d’Erbalunga

Leider kann man auch diesen Turm nur von außen betrachten. Der Weg lohnt sich dennoch: Der Fußweg zum Genueserturm führt durch eine schöne Altstadt mit schattigen, engen Gässchen, in denen es angenehm kühl ist.

Das Dörfchen verzaubert uns auf Anhieb mit seinem Charme und wir beschließen, in einem der ansprechenden Restaurants einzukehren.

Erbalunga besitzt übrigens auch einen kleinen Hausstrand. Dieser besteht aus gröberem Kieselsand.

Fazit: idyllischer Küstenort; nette Abwechslung zu den hektische(re)n Städten Bastia, Calvi und Porto-Vecchio; für einen kurzen Zwischenstopp auf jeden Fall lohnenswert.

Bemerkenswert

Absolutes Highlight: Der Strand von Lavu Santu

Anfahrt: N198 Richtung Solenzara; kurz vor der Bucht von Fautea am Straßenrand parken.

Parkmöglichkeit: am Straßenrand; kann man nicht verfehlen, da bereits Autos dort parken. Dieses Mal kommen wir gegen 13 Uhr an. Um diese Zeit gibt es noch deutlich mehr Parkplätze als gegen 15 Uhr.

Der Strand von Lavu Santu ist über den südlichen Teil des Fautéa-Strandes erreichbar. Von dort ist er zunächst ausgeschildert, anschließend gibt es keine Weggabelungen mehr, man kann sich daher nicht verlaufen. Der 15-minütige Wanderpfad ist zwar bei sengender Hitze sehr anstrengend, man wird allerdings reichlich belohnt. Bereits kurz vor Erreichen unseres Ziels erkennen wir den fast menschenleeren Strand.

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Besonders der letzte Teil des Weges ist wirklich beschwerlich, aber wie gesagt zahlt sich die kurze Anstrengung aus.

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Ein Stück des Wanderpfades

Unten angekommen schlage ich, im wahrsten Sinne des Wortes, unser Zelt auf.

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Unser Tipi

Wir ergattern noch eines der begehrten Tipis, die hier rumstehen. Ich freue mich wahnsinnig.

Das Wasser ist auch hier glasklar und wunderschön.

 

Wie bereits ersichtlich gibt es hier feinen Kieselsand, der sehr angenehm ist (sowohl zum Gehen als auch zum Liegen) und sich zudem leicht abstreifen lässt. Fürs Wasser würde ich allerdings Wasserschuhe empfehlen, da die Steine dort größer werden und das recht unangenehm werden kann. Ich bin froh, dass wir unsere mithaben. Man bekommt diese Wasserschuhe hier übrigens für ca. 10 € in fast jedem Supermarkt (oder Souvenirshop; dort sind sie allerdings meistens etwas teurer).

Der Zugang zum Meer ist etwas steil und das Wasser wird sehr rasch sehr tief. Für Kinder ist der Strand daher – zumal sich mit Kieselsand auch keine tollen Sandburgen oder Ähnliches bauen lässt  eher ungeeignet. Auch ist die Strömung stärker spürbar und vor allem beim Rein- und Rausgehen ist Vorsicht geboten.

Am Nachmittag kommen zwar etwas mehr Leute, es bleibt aber insgesamt sehr ruhig und der Andrang ist wirklich nicht mit dem anderer Strände vergleichbar. Der Ort ist noch unberührt, es gibt hier weder Restaurants noch Cafés.

 

Es war dies ein perfekter Abschluss unseres Korsikaurlaubs.

Fazit: Wer abseits des Menschengetöses entspannen will, ist hier perfekt aufgehoben. Für uns war es mit Abstand der schönste Strand Korsikas.

Bemerkenswert

Korsikas höchster Wasserfall: la Cascade de Piscia di Ghjaddu

Nach langem Hin und Her, welchen Wasserfall wir nun besichtigen sollen, fiel die Entscheidung letztendlich auf den wohl berühmtesten und bekanntesten Wasserfall Korsikas: den Piscia Di Ghjaddu (fälschlicherweise oft als „Piscia di Gallo“ (frz. „pisse de coq“, dt. „Hahnenpiss“) bezeichnet; dies entspringt einer Falschübersetzung von „Piscia Di Ghjaddu“, was eigentlich „cascade de sapin“ („Tannenwasserfall“) bedeutet).

Die Entscheidung war schlussendlich praktischer Natur, da dieser Wasserfall nur ca. 30 min. von Porto-Vecchio entfernt ist.

Anfahrt: Über die sehr kurvenreiche Straße D368 (bei Reisekrankheit ist es ratsam, vorab eine Tablette zu nehmen) von Porto-Vecchio nach L’Ospédale, anschließend am Stausee („Barrage de l’Ospédale“) vorbei in Richtung Zonza. Der Parkplatz befindet sich ca. 3,5 km nach dem Stausee unübersehbar auf der rechten Seite, zumal auch die Wasserfälle dort ausgeschildert sind. Das Parken kostet 4€.

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Le Barrage de L’Ospédale (Stausee)

Tipp: Wer gerne alleine unterwegs ist, sollte um die Mittagszeit losgehen. Da die meisten entweder davor oder danach die Wanderung anzutreten scheinen, ist man um diese Zeit quasi alleine unterwegs und selbst beim Wasserfall waren vergleichsweise wenige Menschen, kurz waren wir sogar ganz alleine. Gegen 14 Uhr kam dann ein ganzer Schwall Menschen beim Wasserfall an.

Nachteile:

  • Im Sommer ist es aufgrund der Hitze ziemlich anstrengend.
  • Es gibt keine (gut erreichbare) Bademöglichkeit. Bei dem kleinen „Flüsschen“ entlang des Weges handelt es sich um ziemlich seichtes, stehendes Gewässer, das höchstes zur Abkühlung für Gesicht, Hände und Füße reicht und um ins Becken beim Wasserfall zu gelangen, muss man ziemlich abenteuerlustig sein (siehe auch weiter unten).

Der Ausflug: Vom Parkplatz aus führt ein sehr gut ausgeschilderter Fußweg (gelbe Wegmarkierung) zunächst durch einen lichten Wald.

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Anschließend durchquert man eine Furt. Keine Sorge: Die Füße bleiben dabei trocken.

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Anschließend gelangt man zu einer Lichtung. Auch hier findet man sogenannte Tafoni (bizarre Felsformationen) vor, zum Beispiel diese hier:

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Je nach Blickwinkel war es für mich eine Schildkröte oder eine Schnecke. Der Fantasie sind hier jedoch keine Grenzen gesetzt. Etwas weiter fanden wir diese hier vor:

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Mit etwas Fantasie kann man auch hier eine Schildkröte erkennen. Es folgt eine ziemlich beeindruckende Berglandschaft mit einem tollen Ausblick bis zum Meer.

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Ein tolles Fotomotiv bietet zudem „Le Rocher Sentinelle„:

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Von hier sind es noch ca. 20 Minuten bis zum Wasserfall.

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Ab dem Schild „La Cascade de Piscia di Ghjaddu“ beginnt der abenteuerliche Abstieg, wobei der erste Teil noch mit einem Seil abgesichert ist.

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Meines Erachtens ist es ab hier etwas gewagt mit Kindern, wir haben allerdings einige Familien (hauptsächlich Franzosen) mit Kindern gesehen. Es scheint, dass die Franzosen ihren Kindern mehr zutrauen als die Österreicher.

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La Cascade de Piscia di Ghjaddu

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In diesem Becken kann man theoretisch schwimmen, wir haben auch vereinzelt Leute gesehen, die das gemacht haben. Es ist allerdings nicht ganz ungefährlich, da der Abstieg ziemlich steil ist und der Weg von oben nicht klar erkennbar ist. Auch der Weg aus dem Wasser zurück ans Festland dürfte sich abenteuerlich gestalten.

Last, but not least: zwei tierische Begleiter:

Der Wanderweg ist durchgehend sehr gut mit gelben Wegzeichen markiert. Man kann sich nicht verlaufen. Ein GPS-Gerät ist daher nicht erforderlich.

Fazit: ein wirklich toller Halbtagesausflug! Sehr zu empfehlen!

Kurzübersicht:

Tourentyp: Wanderung
Schwierigkeit: leicht bis mittel
Gehzeit: 45 Minuten (in eine Richtung)
Tage: Halbtagesausflug
Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln: nein
Einkehrmöglichkeit: unterwegs keine, aber am Parkplatz (der Ausgangs- und Endpunkt der Wanderung ist)
Für Kinder geeignet: ja (mit Einschränkung, siehe oben)

Und zu guter Letzt noch eine Liste an Wasserfällen, die ich im Umkreis von Porto-Vecchio gefunden habe:

  • Cascade du Voile de la Mariée, Bocognano (ca. 2,5 h von Porto-Vecchio, ca. 51 Min. von Ajaccio)
  • Cascades de Purcaraccia, Quenza (ca. 1 h von Porto-Vecchio)
  • Cascade Piscia di Gallo, San-Gavino-Di-Carbini (ca. 30 min. von Porto-Vecchio)
  • Cascades des Anglais, Vivario (ca. 2 h von Porto-Vecchio)
  • Cascade de Bura, San-Gavino-di-Fiumorbo (ca. 1,5 h von Porto Vecchio)
  • Cascade de Macini, San Gavinu di Fiumorbu (ca. 1,5 h von Porto Vecchio)
Bemerkenswert

Les Calanche de Piana

Anfahrt: Von Calvi aus erreicht man die Calanche de Piana in ca. 2 Stunden, indem man die D81, zunächst Richtung Galéria, dann Richtung Porto, nimmt. Mann kann bis Galéria auch an der Küste fahren (D81b), das dauert zwar etwas länger, ist aber landschaftlich viel schöner. Die Calanche erstrecken sich zwischen Porto und Piana. Man fährt durch Porto durch und folgt weiterhin der D81 (die man übrigens nie verlässt). Von Porto sind es noch ca. 10 km. Da sich die Felslandschaft (unter anderem) direkt entlang der D81 auftürmt, kann man sie nicht verpassen.

Tipp: Unbedingt bei Sonnenuntergang besichtigen!

Der Ausflug: Obwohl ich bereits mehrere „Calanques“ besichtigt hatte (Calanque Spinosa auf Sardinien und die Calanques von Marseille), waren die Calanche de Piana ein völlig neues Erlebnis für mich. Wir erreichten die Felsformationen abends gegen 19 Uhr, da uns empfohlen wurde, die Calanche bei Sonnenuntergang zu besichtigen (auch im Baedeker-Reiseführer steht dieser Tipp ;)). Da bis zum Sonnenuntergang noch etwas Zeit war (die Sonne geht hier gegen 21 Uhr unter), erkundeten wir etwas die Gegend. Sehr beeindruckend und absolut sehenswert sind die sogenannten Tafoni, typische Verwitterungsformen der Felsen. Zu den bekanntesten zählen la „Tête du Chien“ und le „Coeur“.

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La Tête du Chien (Der Hundekopf)

Vom „Tête du Chien“ (unübersehbar rechts neben der Straße) aus führt ein gelb markierter 30-minütiger Wanderweg zum „Château fort“. In der Hoffnung, dabei auf „Le Coeur“ zu stoßen, treten wir diesen Wanderweg an. Unterwegs google ich dann doch nochmal und werde – nach einer gefühlten Ewigkeit – fündig: das Herz ist direkt von der D81 aus zu sehen und befindet sich etwas oberhalb des Restaurants „Les Roches Bleues“. Ob sich der Wanderweg zum Aussichtspunkt „Château fort“ (es befindet sich dort übrigens kein Schloss, wie der Name vermuten lässt) lohnt, kann ich daher nicht beurteilen, da wir ca. bei der Hälfte kehrtgemacht haben.

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Am Wanderweg zum „Château fort“

Es war jedenfalls kein einfacher Weg und, nachdem wir schon eine Tageswanderung (siehe Fangotal) hinter uns hatten, auch beschwerlich. Das hält die Franzosen allerdings nicht davon ab, mit Kind und Kühlbox (!) dort zu wandern. Wir haben auch einen Franzosen mit 2 Schachteln Pizza gesehen. Ils sont fous, les Français! 😀

Wir sind dann jedenfalls zurück und dem Straßenverlauf (D81) aufwärts vom „Tête du Chien“ gefolgt, bis wir „le Coeur“ gesehen haben (es befindet sich unübersehbar von unten kommend auf der rechten Seite).

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Le fameux Coeur (das berühmte Herz)

Man kann an mehreren Stellen neben der Straße parken, allerdings muss man früh genug dran sein. Als wir ankamen, gegen 20 Uhr, waren bereits alle guten Parkplätze weg. Wir haben unser Auto dann etwas oberhalb geparkt und sind ein paar Meter zurück zum „Herz“ marschiert. Von dort hat man wirklich eine wunderbare Aussicht.

Auch zum Betrachten des Sonnenuntergangs war dieser Platz perfekt. Wir haben uns dann an den Straßenrand gesetzt und, zusammen mit einigen anderen (es war jedoch nicht so schlimm wie befürchtet), den Sonnenuntergang genossen. Gespannt wartete ich auch darauf, dass sich die Felsen rot verfärben. Ich muss allerdings gestehen, dass es auf dem Foto spektakulärer, sprich roter, aussieht als in Wirklichkeit.

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Die Calanche bei Sonnenuntergang

Der Sonnenuntergang war wunderschön. Man konnte dann zusehen, wie die Sonne „im Meer verschwand“.

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Sonnenuntergang bei den Calanche

Fazit: Ein Ausflug zu den Calanche zahlt sich auf jeden Fall aus und ist, meines Erachtens, ein absolutes Muss beim ersten Korsikabesuch.

Über Kommentare, Hinweise, eure Erlebnisse, Kritik, Tipps etc. würde ich mich freuen!

P.s.: Falls sich jemand über die verschiedenen Schreibweisen von „Calanche“ wundert, hier eine kurze Erklärung: Im Französischen heißt es im Singular „Calanque“, im Plural „Calanques“, im Korsischen hingegen wird der Plural ohne „s“ gebildet, also „Calanche“. Auch die frz. Schreibweise „Calanches“ sieht man manchmal.